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Umwelterklärung

Umwelterklärung
Umwelterklärung

I. Einleitung zur Umwelterklärung

1. Warum Umweltmanagement bei der Kirche?

Papst Franziskus war es, der mit der Veröffentlichung seiner Enzyklika „Laudato Si“ im Jahr 2015 auf die Bedeutung der Schöpfung und ihrer Erhaltung aufmerksam machte und Maßstäbe für einen besseren Umgang mit unserer anvertrauten Umwelt forderte. Damit erklärt er die hohe Verantwortung für die Zukunft von Mensch und Natur, die Gott uns auferlegte und die uns alle verbinden sollte.

Wenn unsere Kirche den Gedanken der Bewahrung der Schöpfung weitergibt, muss sie sich fragen lassen, ob sie selbst diesem Ziel genügt. Die Antwort auf diese Frage muss glaubwürdig und unser Handeln transparent sein.

Ein Umweltmanagementsystem ist eine Möglichkeit, dies zu erreichen und führt zu umfassender Verbesserung der Umweltauswirkungen. Durch systematische Arbeit in einem Team können wir den Umweltschutz und damit die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung in kirchlichen Strukturen und Arbeitsabläufen  verankern. Durch Umweltmanagement entwickelt sich dieser Umweltschutz vom „Projekt“ Einzelner zum „Prinzip“ kirchlichen Handelns. Viele Kirchengemeinden machen die Erfahrung, dass durch die systematische und kontinuierliche Herangehensweise große Erfolge im Einsparen von Wärmeenergie sowie Strom erzielt und damit Treibhausgas-Emissionen vermieden und Kosten eingespart werden. Der Zyklus von Bestandsaufnahme, Entwicklung von Maßnahmen, Umsetzung dieser Maßnahmen und Erfolgskontrolle beginnt immer wieder von vorn.

Schlüsselakteure dabei sind der Umweltmanagementbeauftragte und das Umweltteam, die in enger Abstimmung mit der Kirchenleitung stehen. Wie viele Personen involviert werden, wie viel Zeit und Engagement in den Prozess gesteckt wird und welche Erfolge erreicht werden, entscheidet die Gemeinde selbst. Jeder, auch der kleinste Erfolg, zählt! Alle zwei Jahre wird der Prozess von einem externen Gutachter nach der europäischen Norm EMAS IV zertifiziert. Seit 2007 haben sich über 100 Kirchengemeinden auf diesen Weg begeben und sind validiert – so nennt sich die Zertifizierung bei EMAS – und zum Teil schon mehrmals revalidiert worden.
 

  1. EMAS – ein Mittel zum Zweck

EMAS ist die Kurzbezeichnung für „Eco-Management and Audit Scheme“. Es wurde von der Europäischen Union entwickelt und ist ein Gemeinschaftssystem aus Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung für Organisationen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. EMAS basiert auf der in der UN-Konferenz im Jahre 1992 in Rio de Janeiro verabschiedeten Erklärung für eine nachhaltige ökologische, soziale und ökonomische Entwicklung, die sogenannte „Agenda 21“.

EMAS Schritt für Schritt
Seit Mitte der 90er Jahre hat sich EMAS als effektives Instrument des Umweltmanagements in vielen Unternehmen und Institutionen durchgesetzt. Die Grundlage des Systems bildet die „EG Umwelt-Audit-Verordnung“ von 1993. Bei der Novellierung 2001 wurde darauf geachtet, dass die Eigeninitiative der Unternehmen im Umweltschutz weiter gefördert wird. Grundsätzlich basiert EMAS auf der Verpflichtung, über die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen hinaus die eigene Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern. Bestandsaufnahme, Programm und turnusmäßiger Soll-Ist-Vergleich gehören zu einem Regelkreislauf durch den dieser Prozess gewährleistet wird. Wenn eine Organisation ein Umweltmanagement gemäß der EMAS-Norm aufbauen will, müssen die folgenden Schritte durchgeführt und als Systemelemente dauerhaft in der Organisation verankert werden:

Umweltprüfung
Bei der Umweltprüfung handelt es sich um eine interne Prüfung (Ist-Bestandsaufnahme). Sie wird mit Hilfe von Checklisten vorgenommen, welche alle relevanten Umwelteinwirkungen des Standortes untersucht und bewertet und dabei Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigt.

Umweltleitlinien
Die vom Umweltteam abgefasste Umweltpolitik (Umweltleitlinien) bildet den Rahmen des zu leistenden Umweltmanagements und umfasst umweltorientierte Werte, strategische Gesamtziele und Handlungsgrundsätze, welche Orientierung für die mittel- bis langfristige Entwicklung in der Organisation gibt. Sie muss öffentlich publiziert und von allen Gremien mitverantwortet werden.
 

Umweltprogramm
Basierend auf den Ergebnissen der Umweltprüfung und vor dem Hintergrund der Umweltpolitik erstellt die Einrichtung ein verbindliches Umweltprogramm. Dabei werden konkrete Ziele und Maßnahmen definiert, Verantwortliche benannt, Fristen gesetzt und Ressourcen bereitgestellt.

Umweltmanagementsystem
Das Umweltmanagementsystem verankert den Umweltschutz in der Organisation. Zuständigkeiten und Mitwirkungsrechte werden definiert (z.B. Umweltbeauftragte/r); das Qualifikations- und Informationswesen sowie das Controlling werden festgelegt. Die Funktionstüchtigkeit des Systems wird in einem internen Audit bewertet und die Ergebnisse der Leitung zur Entscheidung vorgelegt.

Umwelterklärung
Die Umwelterklärung informiert die interne und externe Öffentlichkeit über das Umweltengagement der Einrichtung. Sie enthält Angaben zu den Umweltschutzzielen, zur ersten Umweltprüfung, zum Umweltmanagementsystem, sowie zum Umweltprogramm.

Validierung und Standortregistrierung
Ein Umweltgutachter prüft die Umwelterklärung und die anderen Bausteine des Systems, ob sie mit der Realität in der Einrichtung und mit den Anforderungen der EMAS-Verordnung übereinstimmen. Daraufhin kann die Einrichtung beantragen, in das EMAS-Standortregister eingetragen zu werden.

Dies sind die Schritte zur Einführung des Umweltmanagements. Mit der Validierung ist aber nicht ein Schluss-, sondern lediglich ein Höhepunkt erreicht. In regelmäßigen Abständen werden in Umweltbetriebsprüfungen die Ergebnisse und Bestandteile des Systems bewertet, um kontinuierlich Verbesserungen in den Prozess einbauen zu können.

Die Entscheidung unserer Pfarrei
Da Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit für uns als Kirchengemeinde grundlegende Werte und Ziele darstellen, haben wir uns im April 2017 entschlossen, uns an diesem Umweltmanagement und Audit-System zu beteiligen. Wir als Kirchengemeinde wollen glaubwürdiger Impulsgeber sein für einen zukunftsfähigen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen. Wir sehen dies als Ausdruck unserer Schöpfungsverantwortung.
Durch die Teilnahme an EMAS verpflichten wir uns, die Auswirkungen unseres Handelns auf die Umwelt ständig zu überprüfen und negative Folgen zu minimieren. Damit wollen wir als Pfarrgemeinde unseren Beitrag leisten für eine lebenswerte Zukunft nachfolgender Generationen. Denn ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltiges Handeln vor Ort bedeutet angesichts globaler Vernetzung zugleich, Verantwortung für die Welt als Ganzes zu übernehmen.

Mit dem kirchlichen Umweltmanagement sehen wir eine große Chance, unserer pastoralen Arbeit einen weiteren spirituellen Mehrwert zu verleihen. Wir hoffen, Impulse zu geben, die in unseren Kirchorten, aber auch in unser Bistum ausstrahlen werden. Wir freuen uns, dass wir eine der ersten Großpfarreien sind, die sich nach EMAS validieren lassen. Natürlich sind wir uns bewusst, dass es nur kleine Schritte sind, die wir tun können. Aber wie ein Kinderlied von Bernd Schlaudt nach einem afrikanischen Sprichwort sagt:


„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten,
die viele kleine Dinge tun,
können das Gesicht der Welt verändern,
können nur zusammen das Leben bestehn.
Gottes Segen soll sie begleiten,
wenn sie ihre Wege gehen.“


Bereits 2013 entschloss sich die damalige Pfarrei St. Peter und Paul in Höhr-Grenzhausen mit Pfarrer Much, dem Aufruf des Bistums Limburg zu folgen und ein Umweltmanagement mit dem Abschluss der EMAS-Zertifizierung aufzubauen. Das vorläufige Ziel – die Bestätigung und Zertifizierung für eine Umweltarbeit nach den Vorgaben von EMAS – wurde 2015 erreicht.

Gleichzeitig war es das Jahr der großen Umstellungen. Eine Großpfarrei, bestehend aus sieben Kirchengemeinden, wurde gebildet. Ein schwerer Eingriff in das Gefüge jeder einzelnen Pfarrei. Es bedeutet eine ungeliebte Umstellung für jedes Gemeindemitglied, ob Kirchgänger, Mitarbeiter oder Ehrenamtlicher. Doch für alles fanden wir einen Weg! Die Veränderungen hinsichtlich Organisation und Baumaßnahmen wurden auf ihre Umwelteinflüsse untersucht und die EMAS-Richtlinien  berücksichtigt.

Die neue EMAS-Verordnung IV verlangt es, dass Institutionen in ihrer Gesamtheit sich den Richtlinien unterwerfen, was die Teilnahme aller Kirchorte bedeutet. Nun galt es, in den zusätzlichen sechs ehemaligen Pfarreien Begeisterte für den Umweltschutz zu finden oder bei Gemeindemitgliedern Interesse für diese Arbeit zu wecken. Inzwischen hat sich ein reger Kreis mit einem verteilten Aufgabengebiet zusammen gefunden. Aber immer noch fehlt in zwei Kirchorten die Bezugsperson.

Unser Aufruf geht an Sie! Wenn auch Sie eine Aufgabe für Gottes Schöpfung und unsere Umwelt übernehmen wollen, ganz gleich welchem Kirchort Sie angehören, bitte melden Sie sich in unserem Pfarrbüro oder kommen Sie spontan zu unserem monatlichen Umwelttreffen und lassen sich über unsere Tätigkeit berichten. Den Termin finden Sie im Pfarrblatt oder in den Mitteilungsblätter der Gemeinden. Wir würden uns freuen und versprechen Ihnen eine rege und sinnvolle Teamarbeit – auch wenn es nur auf die Welt bezogen ein Sandkorn ist.

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Bistum Limburg

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